Jede(r) kann ein TischleinDeckDich sein
Mir gefällt mein TDD am besten, weil alles upgecycled ist. Es wäre möglich gewesen durch Geldspenden einiges neu anzuschaffen, aber die Grundidee war und ist aufzuzeigen, dass alles was wir brauchen bereits produziert wurde/vorhanden ist. Auch wenn es manchmal schneller und einfacher wäre etwas neu zu kaufen (Stichwort Einweggeschirr), so sollte ich es mir in den heutigen Zeiten nicht immer „so leicht“ machen, denn uns allen sind die Folgen des Hyperkonsums sehr wohl bewusst. Dieses Bewusstsein wird aber leider sehr häufig von der Bequemlichkeit zum Schweigen gebracht. Ich mache es mir sehr häufig unbequem und vertrete nicht immer die Standpunkte, die andere hören möchten. Aber gerade das TDD ist ein super Beispiel gegen das Andauernde:
„Ich alleine kann nichts tun/ändern.“
Kannst du wohl und zwar sehr viel!
Und das Ganze nennt sich dann Selbstermächtigung und macht glücklich, zufrieden und stolz.
Und weil ich all das bin, behaupte ich von mir: Ich bin reich! Und als reicher Mensch liegt es mir fern für mein Tun Geld zu verlangen. Ich sehe das TDD als mein selbstgewähltes Ehrenamt und bin froh, dass sich andere bei der Feuerwehr engagieren, denn das wäre echt nichts für mich.
Grundsätzlich finde ich aber, dass jedes TDD das individuell handhaben soll. Ich selber habe einfach auch keine Ahnung, in wie weit man Geld annehmen kann, ohne dass sich das Finanzamt dafür interessiert. Zudem denke ich, dass es nur so gut funktioniert, weil es ganz niederschwellig angelegt ist. Es kostet nichts, es gibt keine Formulare auszufüllen, keinen Ausweis vorzulegen, es darf auch mal etwas kaputt gehen.
Wie komme ich an die benötigten Geschirrteile?
Als die Idee Gestalt annahm, habe ich mich an die lokale Zeitung gewandt und sie vorgestellt und um Geschirrspenden gebeten. Schon nach kurzer Zeit, hatte ich sehr reichlich Geschirr.
Es könnte auch Erfolg haben, bei Sozialkaufhäusern nachzufragen, in der Nachbarschaft Flyer mit dem Gesuch zu verteilen. Bei mir haben sich sogar mal die Stadtreiniger Kassel gemeldet, als sie von meiner Aktion hörten. Es gibt wohl bei der städtischen Entsorgern häufig Anrufe :„Wohin mit meinem alten Geschirr?“ und die wären froh, wenn sie nicht antworten müssten „In die Tonne.“.
Bei den Spenden sind natürlich auch viele „unbrauchbare“ Sachen. Unbrauchbar ist aber eine Definitionssache und ganz individuell zu betrachten. In meinem Fall waren das vor allem Kaffeetässchen, Zuckerdosen, Milchkännchen, Kaffeekannen, Biergläser und Schüsseln. Was hübsch war, habe ich bei uns zum Flohmarkt der Bürgergenossenschaft gegeben, die reichlichen Espressotassen für den Kaffeeklatsch im Kindergarten abgegeben, vieles auf meinen „zu Verschenken“-Tisch vor der Garage gestellt, im Netz inseriert und zu guter Letzt auch nach einiger Zeit einiges weggeschmissen und Polterkisten gepackt, denn der Platz wurde knapp.
„Unbrauchbar“ definiere ich mittlerweile mit: schlecht zu lagern/zu transportieren, bei der Ausleihe nicht oder extrem selten gefragt gefragt.
Wie viel brauche ich wovon?
Die Favoriten sind Kuchen-, Speise- und Suppenteller, sowie Kaffeepötte und die dazugehörigen Bestecke (Löffel, Teelöffel, Gabeln, Kuchengabeln, Messer).
Weniger gefragt und oft auch schwieriger als Spenden zu bekommen sind (normale) Gläser sowie Sekt- und Weingläser. Ich hatte zwischenzeitlich Glück und habe aus einer Kneipenauflösung sogenannte „Willi-Gläser“ in Transportkisten günstig kaufen können.
Die meisten Ausleihen liegen bei mir zwischen 20 und 100 Gedecken. Der Klassiker sind 50er/60er ausleihen. Im Sommer Speiseteller mit Besteck (Grillparty), im Winter Kaffeepötte (Glühwein), im Herbst Suppenteller mit Löffeln (Eintopf) und ganzjährig Kuchenteller mit Kaffeepötten und Besteck (Basare, Flohmärkte, Schulfeste,...).
Zum Start liegt man, denke ich, mit 60 bis 100 Teilen der Favoriten ganz gut im Rennen.
Weil es mir leicht von der Hand geht, habe ich mittlerweile auch annähernd 100 Stoffservietten zu verleihen. Die habe ich aus alten Damasttischdecken genäht, die heute keiner mehr braucht. Silberne Serviertabletts sind mir neulich auch zugelaufen, die brauchen wenig Platz und ich werde sie vorerst im Sortiment behalten.
Was brauche ich (wahrscheinlich) so gar nicht?
Alles in der Form exotische oder empfindliche hat sich nicht bewährt. Bleikristall Sektgläser sind zwar wunderschön, aber taugen für den Zweck leider gar nicht. Mit Biergläsern und -humpen wurde ich überschüttet und binnen eines Jahres hatte ich nur eine Nachfrage nach Biergläsern (die dann aber auch mit normalen Gläsern glücklich war). Für eine Kaffeetafel sind Tässchen schöner als Pötte. Tässchen lassen sich aber nicht stapeln, transportieren und sind auch für den Verkauf von Kaffee (Basare, Flohmärkte) ungeeignet (zu geringe Füllmenge). Aktuell sammele ich aber dann doch Tässchen, denn die Optik der Pötte sprengt nette Tafeln.
Wie viel Platz brauche ich dafür?
Ich lagere aktuell um die 3000 Teile und das belegt eine Wandfläche von ca. 7m in der Garage.
Bei optimaler Unterbringung könnte es auch weniger Platz verbrauchen.
Welche Einrichtung für das TDD?
Bei mir ist es nach wie vor professionell improvisiert. Die Teller stehen in Ikea-Regalen, Schubladenschränke beherbergen die Bestecke, ein Bisschen ist in Schränken untergebracht. Bei der Lagerung in der Garage darf nichts offen stehen, denn dann kommt zu schnell Dreck dran. Könnte ich es erneut einrichten, würde ich versuchen die Unterteile alter Küchenzeilen zu bekommen. Teller in die Unterschränke, Bestecke in die Schubladen und Gläser-/Tassenkisten auf die Unterschränke.
Wie lagere ich die Sachen, so dass sie leicht zu transportieren sind?
Geschirr ist schwer. Die Lagerung in Kisten habe ich schnell verworfen. Durch meinen Anspruch nichts neues zu kaufen und vorhandene Ressourcen zu verwenden, hat es etwas gedauert, bis ich auf die Lösung mit den Stoffbeuteln gekommen bin. Bin jetzt aber sehr zufrieden damit und den Kunden gefällt es auch. Ein Beutel in jede Hand und man kann 40 Teller auf einmal tragen. Das ist mit einer Kiste vor der Brust kaum zu schaffen. Die Beutel schützen vor Schmutz und können einfach in der Maschine gewaschen werden. Gegenüber der unverpackten Lagerung entfällt auch das ständige Zählen (riesige Zeitersparnis). Bei Interesse schicke ich gerne Schnittmuster, Nähanleitung und Prototypen um das vor Ort nachzunähen. Viele meiner Lösungen sind „textil“, denn ich bin gelernte Schneiderin. Alte Tisch- und Bettwäsche gibt es auch in Massen und es wird leider sehr viel entsorgt.
Kaffeepötte wohnen bei mir in alten „Curver“-Boxen. Das sind robuste, gut stapelbare Kunststoffkisten. Pro Box sind immer gut 30 Pötte. Die ursprünglich verwendeten Kartons haben ihren ersten Einsatz im Starkregen nicht überlebt. Die Gläser machen es mir etwas schwer. Mittlerweile gibt es einen Bestand von normalen Gläsern aus der Gastronomie, die professionell in entsprechenden Kisten lagern. Von den gespendeten Gläsern konnte ich die Wenigsten zum Einsatz bringen. Die unterschiedlichen Formate sind ein echtes Problem. Leere Bierkisten können eine Lösung sein (von den kleinen dicken Bierflaschen). Für die Sekt- und Weingläser verwende ich eine Mischung aus Originalkartons und leeren Limonadenkisten (Bionade) Die perfekte Lösung lässt noch auf sich warten. Bestecke sind in beschrifteten Stoffbeuteln mit Zugband. Sehr praktisch und funktionell.
Was, wenn etwas kaputt geht?
Da ich inzwischen weiß, was gut ins Sortiment passt und was nicht, ersetze ich kaputt gegangenes lieber selber. Insgesamt geht auch wenig kaputt. Bei 20000 ausgeliehenen Teilen hatte ich weit weniger als 100 kaputte Geschirrteile.
Für welche Veranstaltungen war das TDD schon unterwegs?
Für so ziemlich jede Art von Veranstaltung: Hochzeit, Taufe, Basar, Picknick, Flohmarkt, Jubiläum, Einschulung, Schulfest, Uni-Konferenz, Grillparty, Kaffeeklatsch, Geburtstag, Turnier, Jagd, Weihnachtsmarkt, Stadtfest, Konzert, Vernissage, Ausstellung, Seminar, Eröffnungsfeier, Pop-Up-Cafe...
Was steht aktuell in Münden alles in der Garage und was dürfte noch dazu?
Die Basisausstattung liegt aktuell bei ca. 250 Gedecken (Kuchen-, Speise-,Suppenteller mit Bestecken). Mittlerweile habe ich mich dazu entschlossen auch schlichte (einfarbig weiß/creme) Sets zu packen. Es kommen überraschend oft Anfragen für klassische Anlässe (Hochzeit, Taufe, Konfirmation,...) und da kann ich den Wunsch nach ein Bisschen Optik schon verstehen. Meine nächste Idee ist ein transportabeler Spültisch mit Spülwannen, Abtropfgestellen, Geschirrhandtüchern (aus alter Flanellbettwäsche) und Wasserkanistern. So kann dann auch mitten in der Botanik gespült werden.
Gibt es eine „Obergrenze“ für die Ausleihe?
Jein, aber ich spreche folgende Empfehlungen aus: Für Feiern auf den denen über 100 mal von allem gebraucht wird (inkl. Sekt-, Weingläsern und ähnlichem) reicht für den Transport kein PKW mehr aus. Da braucht es einen Transporter/Bus. Und außerdem halte ich es für ratsamer bei hohem Geschirrverbrauch lieber zwischendurch zu spülen, sonst gibt es Probleme mit der Unterbringung des schmutzigen Geschirrs. Allgemeine Erkenntnis: Es finden sich immer sehr schnell Freiwillige für das gesellige spülen und die Handtücher reichen NIE!
Wie läuft das mit der Abholung/Rückgabe? Klappt das mit dem Spülen?
Das benötigte Geschirr wird per Mail /Whatsapp oder telefonisch reserviert. Mittlerweile ist ein vorheriges Packen nicht mehr notwendig, ich kann alles zügig direkt aus den Regalen rausgeben.
Die Rückgabe ist dementsprechend einfach geworden. Abholung und Rückgabe passieren nach Termin/Verabredung und ich bin nur ein einziges Mal versetzt worden.
Es war auch immer alles sauber. Damit alles wieder richtig verpackt wird, gebe ich mittlerweile einen kleinen Handzettel mit ein paar Infos mit.
Wie viel Zeit kostet mich das?
Das Anlegen, Ausprobieren, Verändern und Optimieren hat schon einiges an Zeit gefressen. Inzwischen kostet es mich aber selbst in einer starken Woche mit 4 bis 5 Ausleihen alles in allem eine Stunde. Wer auch immer darüber nachdenkt, ein TDD zu eröffnen kann ja von meinen Erfahrungen, Ideen und Lösungen profitieren und viel Zeit und Kraft sparen.
Die Zeit die ich an der Nähmaschine verbringe messe ich nicht, das ist keine Arbeit, das ist Vergnügen.
Darf ich auch Tischlein Deck Dich nennen/ das Logo verwenden?
Die Grafikerin des Logos hat ihr Okay gegeben und der Name inkl. Untertitel darf auch gerne verwendet werden. Und wer Lust hat das ganze anders zu nennen und anders aussehen zu lassen: Ist auch recht.
Falls du überlegst, ein TDD zu gründen und noch unsicher bist, dann komm doch einfach mal vorbei und schau es dir live an. Falls noch Fragen sind, die hier nicht aufgeführt sind: Frag mich und ich werde den Leitfaden ergänzen.
Ich möchte sehr gerne wissen, wo überall in Deutschland auf Grund meiner Idee neue Gratis-Geschirrverleihe entsehen und vielleicht können wir alle uns locker vernetzen und am Ende des Jahres eine supergroße Zahl raushauen, wie viel Einwegmist von uns eingespart wurde.
Melanie Tönnis
P.S.: Wenn dir das Alles eine Nummer zu groß ist, dann mach es einfach für einen privaten Kreis, den du dir wählst. Die anderen Parteien in deinem Mehrfamilienhaus, deine netten Nachbarn in der Straße, dein Freundeskreis. Durch dein Handeln schaffst du ein Bewusstsein und nimmst Einweg die alternativlose Selbstverständlichkeit.
Zuschnittmaße und Nähanleitung
für Stoffservietten, Besteckbeutel und Tellertaschen:
Servietten: Zuschnitt 45 x 45 cm. Die Kanten 2 x einen Zentimeter einschlagen (ggf. vorbügeln und /oder stecken), säumen.
Besteckbeutel: Zuschnitt „groß“ 14 x 58 cm, Zuschnitt „klein“ 12 x 50 cm.
Das längliche Schnittteil in Längsrichtung halbieren (rechts auf rechts). Die erste Seitennaht stecken und nähen (Nahtzugabe 1 cm), dabei von oben die ersten 5cm wie einen Schlitz offen lassen. Die Nahtzugaben des Schlitzes einfach umklappen und festnähen. Die zweite Seitennaht nähen. An der offenen Oberseite des Beutels erst 1cm, dann 2cm einschlagen (ggf. bügeln und/oder stecken) und den so entstandene Tunnel knappkantig nähen. Zugschnur mit Hilfe einer Sicherheitsnadel einziehen und die Enden zusammenknoten, damit die Schnur nicht im Eifer des Gefechts rausgezogen wird.
Tellertaschen:
Maße inkl. 1cm Nahtzugabe, den Boden (für die Stabilität doppellagig zuschneiden)
Große Teller:
Rumpf (Höhe x Breite/Umfang): 95 x 90 cm,
Kreis (Boden) Durchmesser: 29,6 cm (Pappschablone anfertigen)
Bindeband ca.3,5 x 70 cm
Kleine Teller
Rumpf (Höhe x Breite/Umfang): 80 x 70 cm
Kreis (Boden) Durchmesser: 23,8 cm (Pappschablone anfertigen) Bindeband ca.3,5 x 70 cm
Den Rumpf rechts auf rechts zusammenlegen/halbieren, so dass die Kanten der längeren Seite (Höhe) kantengleich liegen. Mit einem Zentimeter NZG nähen. Dabei entsteht ein „Schlauch“. Diesen Schlauch auf links gedreht lassen, die Nahtzugaben der gerade genähten Naht in eine Richtung legen und sie von rechts aus knappkantig feststeppen (für die Stabilität). Den Schlauch in der Höhe „halbieren“, so dass die rechte Seite nach außen zeigt und die beiden offenen Schnittkanten zusammen liegen. An die offenen Schnittkanten wird der Boden genäht. Das Einnähen von kreisförmigen Zuschnitten ist nicht ganz einfach. Am besten den Rumpf mit Viertelmarkierungen versehen und den Kreis ebenfalls, diese dann aufeinander stecken und erst dann die Partien dazwischen stecken. Nicht wundern, dass der Stoff jetzt vierlagig liegt und die Nahtzugaben nicht zwischen den Lagen verschwinden. Dieser kleine „Verarbeitungsmakel“ spart viel Zeit und erhöht die Stabilität. Nachdem der Boden eingesetzt ist alle Nahtzugaben zusammen versäubern und die Nahtzugabe in Richtung Boden legen und absteppen. Das gelingt am besten, wenn der Beutel auf links gekrempelt ist.
Die Längskanten des Bindebandes gleichmäßig einschlagen, so das sie sich in der Mitte treffen. Bügeln.
Die so entstandenen Bügelkanten aufeinanderlegen und knappkantig nähen. Die Enden des Bindebandes lasse ich einfach ganz frech wie sie sind... Bindeband auf dem Beutel ganz fest annähen (ca. 10 cm von der Oberkante auf Höhe der Naht).
Viel Erfolg und Spaß beim Nähen.